Samstag, 5. September 2015

Muskatnuss, Basilikum und Backpulver -
Der Luxus der eigenen Küche



Vor kurzer Zeit war ich das erste Mal bei meinem Freund zu besuch. Ich wollte das natürlich nutzen, um ihn ein wenig mit selbstgemachtem Essen zu verwöhnen und mit seinem kleinen Sohn einen Kuchen zu backen. Sehr ambitionierte Ziele, wie ich sehr bald feststellen musste..


Prinzipiell bin ich jemand, der sich zwar in der Küche gerne helfen lässt, allerdings läuft das Ganze dann unter einem strengen Kommando und viel Überprüfung meinerseits ab. Vertrauen ist ja bekanntlich gut, Kontrolle die bessere Lösung, wenn alles ordentlich laufen soll :)

Ich mag es sehr an meinem Freund, dass er alle zwei, drei Tage frisch einkaufen geht, deswegen ging ich auch davon aus, dass alle nötigen Grundnahrungsmittel und Zutaten bei ihm zu finden sind. Dass er keinen Backkakao, Lebensmittelfarben oder Zuckerperlen bei sich hatte, war mir klar, deswegen hatte ich in meinem Koffer auch einige meiner Backutensilien.

Nun war also sein Sohn bei uns, es regnete und wir konnten nicht auf die Kirmes gehen wie geplant. Also schnappte ich mir den Kleinen und wir gingen in die Küche zum Kuchen backen. Oder besser gesagt, zum Teig improvisieren. Denn wie sich herausstellte, hatte mein Liebster weder Backpulver, noch Stärke, noch Weinsteinpulver oder ein anderes Triebmittel daheim, Vanillezucker suchte ich ebenfalls vergeblich. Das hieß Rezept über den Haufen werfen und improvisieren.

Ich habe vorher noch nie mit einem Kind zusammen gebacken, aber ich muss sagen, es funktioniert erstaunlich gut. Wir haben einen improvisierten Bisquit gemacht und ich kann jedem nur empfehlen, wenn ihr mal leuchtende Kinderaugen sehen wollt, schnappt euch die Kleinen und geht in die Küche. Sie können mehr als man denkt und wenn man ein Auge auf sie hat, dann kann man erstaunlich viel zaubern.

Bei uns kam am Ende ein dreifarbiger 'Bisquit' heraus. Lebensmittelfarben waren bei dem Kleinen der Renner und er hat jeden Teig nach dem färben probiert, ob er denn jetzt anders schmeckt. Ich habe ihn prinzipiell viel probieren lassen. Er durfte Eischnee schlagen, Mehl sieben und die Zutaten mit abwiegen. Und er war, obwohl wir gut 45 Minuten in der Küche waren, mit voller Konzentration dabei :)

Das Zerschneiden und Füllen des Kuchens habe ich allerdings alleine übernommen und entgegen meiner Erwartung, da wir doch sehr von allen möglichen Rezepten abgewichen waren, schmeckte der Kuchen süß und gut.


An einem anderen Tag wollte ich Mittagessen machen, nichts aufwendiges. Kohlrabi mit heller Soße, Bratwürstchen und Bratkartoffeln. Es lief auch alles gut, bis ich dann meinen Freund nach Gewürzen fragte und etwas ratlos aussah, als ich am Ende Salz, Pfeffer, Maggi und Gemüsebrühe vor mir stehen hatte. Einen Moment lang war ich überfordert. Wo war mein Paprika edelsüß? Meine Muskatnüsse? Mein frischer Basilikum? Meine Pfeffermühle mit ganzen Körnern?

Dies war ein Moment, in dem mir aufgefallen ist, dass es scheinbar nicht dem Standart entspricht an die 20 verschiedenen Gewürze zu besitzen und dass ich mit der gut ausgerichteten Küche, in der ich zur Zeit kochen kann, wirklich gut drann bin. Dennoch, eine Soße musste auf den Tisch, denn ein Essen ohne Soße ist für mich nur ein halbes Essen. Und erneut wurde ich überrascht, entgegen meiner Erwartungen konnte man auch mit dieser eher kleinen Auswahl eine leckere Soße zaubern.

Ich fand es irgendwie schön zu merken, dass auch ohne Rezept, mit kleinem Kind und ohne die gewohnten Zutaten ein leckeres Essen oder ein toller Kuchen entstehen kann. Trotzdem habe ich meinem Freund später Paprikapulver gekauft :)

Wie sind eure Küchen so eingerichtet? Seid ihr eher Minimalisten oder habt ihr lieber ein breites Spektrum? Improvisiert ihr gerne, oder arbeitet ihr lieber mit Rezept? Und am wichtigsten, gefallen euch solche 'Berichte' aus dem Leben und hättet ihr gerne mehr davon?

Alles Liebe, eure Vanille 





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